Hannoversche Allgemeine: 30.03.2026
Klaus Hoffmann singt und albert: „Wie alt sind Sie denn?“
Immer im Gespräch: Klaus Hoffmann nimmt sein Publikum mit - durch Berlin, durch seine Lieder und in seinen Blick auf die Welt.
Gerade ist er 75 geworden, aber auf der Bühne hat Klaus Hoffmann das Spitzbübische immer noch nicht verloren. Im bestens gefüllten Theater am Aegi unterhält er sein Publikum mit frühen und neuen Songs, mit Heinz Rudolf Kunze als Duettpartner - und mit Bemerkungen übers Alter. Kann er und darf er, man ist unter sich.
Uwe Janssen

Hannover . Perfekt? Nein, perfekt ist das nicht. Hier knarzt mal eine Gitarre, wo sie es nicht soll. Da vergisst der Sänger mal seinen Text, er sagt das auch noch, und er macht sogar noch einen Witz drüber, während das Lied weiterläuft. Warum tut er das? Weil genau das den Charme eines Klaus-Hoffmann-Konzerts ausmacht.
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Der Chansonnier, gerade 75 geworden, ist ein blendender Unterhalter. Musik ist die eine Sache für ihn auf der Bühne, die andere seine Geschichten, mal launig, mal melancholisch, meistens beides. Hoffmann erzählt von seiner Kindheit, seiner Jugend in seinem Berlin.
Aktuelles Album und „Marieke“
Was nicht heißt, dass er sich in routinierter Sentimentalität verliert. Er weiß schon genau, wo er ist. Er kokettiert mit seiner früheren Eitelkeit („Ich sah so gut aus“), und er ist immer in Interaktion mit dem Publikum. „Soll ich mal nachstimmen?“, fragt er und geht, ohne die Antwort abzuwarten, zur Saitenkorrektur über. Und dann: „Kennen Sie Hannes Wader?“ Freudige Zustimmung im Saal. „Ja, wie alt sind Sie denn?“ Kann er machen, man ist in der gleichen Liga.

Machen auch mal Tempo: Klaus Hoffmann und seine Band.

Hoffmann spielt mit seiner vierköpfigen Band gut zwei Dutzend Lieder an diesem Abend im fast vollen Theater am Aegi. Bei alten wie „Marieke“, „Blinde Katharina“, „Für det bisschen Zärtlichkeit“ oder in der Zugabe „Derselbe Mond über Berlin“ lässt er das Publikum mit- oder auch mal allein singen.
Er stellt sein aktuelles Album „Ich bin“ ausführlich vor, kein Problem, die neuen Lieder fügen sich nahtlos in sein Gesamtwerk ein. Seine Musik hat sich eigentlich während der letzten 50 Jahre nicht wesentlich verändert. Hier schimmert überall die Melancholie durch, die er mit seinen kleinen Randbemerkungen konterkariert: „Kann man mit 75 eigentlich noch eingezogen werden?“
Heinz Rudolf Kunze als Gast
Irgendwann kommt der junge Kollege Heinz Rudolf Kunze (69) mit wehendem rosa Schal auf die Bühne, nötigt Hoffmann mit dem gemeinsamen „Ciao Bella“ einen weiteren alten Bekannten ab und lässt es dann mit einem eigenen Lied am Flügel („Die Dunkelheit hat nicht das letzte Wort“) kurz politisch griffig werden. Von Hoffmann, verrät er, habe er sich abgeguckt, zwischen den Liedern mehr zu sagen, als nur den nächsten Songtitel anzukündigen.

Sein Lehrmeister liefert diesbezüglich eine souveräne Show ab. Immer wieder schert er sogar während der Lieder aus den Strophen aus („Nicht klatschen – ich mach hier das Programm“). Das Albernsein hat sich Hoffmann bewahrt, diese Mischung aus Eleganz und Spitzbübigkeit macht den Abend zu einem Vergnügen, in dem das Publikum sich nicht nur angesprochen, sondern wirklich gemeint fühlen durfte – und mit dem Gefühl nach Hause gehen konnte: Das haben wir alle zusammen gut gemacht.
Morgenpost.de - 28.03.2026
„Klaus Hoffmann - Der anstrengendste Kindergeburtstag, den ich je hatte
Berlin: Klaus Hoffmann ist 75 Jahre alt geworden. Zum Konzert in der Philharmonie kamen Reinhard Mey, Katharine Mehrling und weitere Stars
Ulrike Borowczyk
Natürlich weiß so ziemlich jeder Berliner, dass Klaus Hoffmann ein Einzelkind ist. Doch weil ihm das Leben gewogen ist, hat er einen Bruder gefunden. Einen Seelenverwandten, den er eingeladen hat, seinen 75. Geburtstag mit ihm zu feiern. Ankündigen muss er ihn nicht. Denn als Reinhard Mey erscheint, bricht ein Jubel los, der alle Lautstärkenrekorde bricht. Nicht nur die Älteren sind beim Anblick des 83-Jährigen aus dem Häuschen, auch die Jüngeren, hat die „Haftbefehl“-Doku doch einen Riesen-Hype um den Musiker ausgelöst.

Das Duett der Berliner Liedermacher-Ikonen mit Songs wie „Freiheit“ ist einer der Höhepunkte der Konzert-Gala zum 75. Geburtstag von Klaus Hoffmann. Die Philharmonie platzt dabei schier aus den Nähten. Sogar die eher ungemütlichen Sitzbänke hinter dem Orchesterpodium sind voll besetzt. Was den Sänger scherzen lässt: „Wer hätte gedacht, dass so viele Menschen kommen, bloß, weil einer älter geworden ist.“

Natürlich hat er sich Gedanken gemacht, wie er seinen Geburtstag begehen könnte. Ein Vorschlag war, er solle sich feiern lassen wie ein Kind. Was bei ihm die Erinnerung an die Geschenke von damals heraufbeschwor. Lange Unterhosen, kurze Unterhosen. Nachkriegszeit halt. Da er sich heute die Unterwäsche leisten kann, die er möchte, hat er sich lieber dazu entschieden, fünf Gaststars einzuladen.


Wie Lydie Auvray, Frankreichs Grande Dame des Akkordeons, mit der er Jacques Brels Klassiker „Amsterdam“ performt. Mit Katharine Mehrling duettiert er ebenfalls. Erst steht Brels „Ne me quitte pas“ in einer wunderbaren deutsch-französischen Version auf dem Programm, dann Hildegard Knefs „Illusionen“. Und Jazz-Star Till Brönner, der das lässige „Heut Nacht“ mit einer grandiosen Trompeten-Improvisation veredelt und witzelt: „Ich darf heute Abend nur zwei Stücke spielen. Mehr hält Klaus nicht aus.“
Selbstverständlich brilliert der frischgebackene 75-Jährige auch allein an der Akustikgitarre und mit seiner fabelhaften Band. Dabei fügen sich die Songs seines neuen Albums „Ich bin“ wie „Zurück in Berlin“ nahtlos in die Reihe der bekannten Songs ein wie „Blinde Katharina“. Dazu gibt es viele launige Schnurren aus Klaus Hoffmanns Leben, die er nach eigenem Bekunden seit 40 Jahren auf der Bühne erzählt. Wobei er sich aufs Zierlichste bedankt, dass er dafür immer noch ein zahlendes Publikum hat. Vor allem Frauen. Anders als früher kämen die aber mittlerweile in Begleitung ihrer Männer, beklagt Hoffmann augenzwinkernd.

Die Anziehung hat also nachgelassen. So ist das im Alter, das der Sänger mal lustig, mal melancholisch thematisiert. Wie bei Erika Pluhar, die zwei Songs für ihn singt und der er ein Kompliment wegen ihres alterslosen Aussehens macht, woraufhin die 87-Jährige entgegnet: „Ich bin eine alte Frau. Man muss das sagen dürfen und es ist keine Schande.“

Am Ende gibt es mit „Kein Held“ noch ein klares Statement gegen den Krieg, der mittlerweile überall gegenwärtig ist. Und nach knapp drei Stunden seufzt ein großartiger Klaus Hoffmann zufrieden: „Das war der anstrengendste Kindergeburtstag, den ich je hatte.“
B.Z. Berlin: 28.03.2026
„In der Berliner Philharmonie“
Liedermacher Klaus Hoffmann feierte seine 75. mit einem Konzert
Ralf Kühling

Tiergarten – Am Donnerstag wurde die Berliner Liedermacher-Legende 75, am Freitag bestritt Hoffmann dazu ein Jubiläumskonzert im Großen Saal der ausverkauften Philharmonie. Mit dabei: langjährige Wegbegleiter, die ihm wirklich was bedeuten.

Reinhard Mey gehört dazu, natürlich, seit Jahrzehnten ein Freund, den Hoffmann auch mal „Bruder“ nennt. Die beiden schätzen sich über alles, lieben sich, das ist unübersehbar. Zusammen singen sie das traumhaft schöne „Kinder erkennen sich am Gang“, der Saal stimmt mit ein, nicht zum letzten Mal an diesem Abend, und die Augen des größtenteils nicht mehr ganz so jungen Publikums leuchten wie die von glücklichen Kindern.

Natürlich hat Hoffmann etliche Klassiker dabei, etwa „Blinde Katharina“, eines der schönsten Werke deutscher Liedermacher-Kunst. Aber auch die Songs seines aktuellen Albums „Ich bin“ müssen sich nicht verstecken, zu den überzeugendsten gehört „Zurück nach Berlin“.

Überraschungsgast Till Brönner

Ach ja, sein Berlin, an dem arbeitet sich Hoffmann an diesem Abend wieder mal mit mehreren Liedern ab. Und das gelingt vortrefflich, begegnet er unserer Stadt doch nicht mit coolen Klischeebildern, sondern klugen Texten. Und dabei gerät er immer wieder ins Plaudern, scheint gar nicht aufhören zu können, und das sicher auch, weil es eben so oft um Berlin geht, und das bis zurück in die Nachkriegszeit.

Plötzlich betritt ein Überraschungsgast die Bühne: Till Brönner. Zusammen mit Hoffmann performt der Ausnahme-Musiker „Berliner Sonntag“ und demonstriert dabei, was für ein magisches Instrument eine Trompete sein kann, wenn Till die Backen aufbläst.

Sänger und Komödiant

Einen bemerkenswerten Auftritt legt auch Erika Pluhar hin, die österreichische Schauspielerin, die auch singen kann. Und wie! Sie klingt eindringlich und intensiv, beweist es uns auf Hochdeutsch und auf Wienerisch. Und das mit 87.

Auch Hoffmann glänzt an diesem Abend durch Doppelbegabung, ist er doch außer Sänger und Musiker auch ein gnadenlos guter Komödiant. Er ist lustiger als mancher, der sich „Comedian“ nennen darf. Sein unermüdlicher Witz war der Garant für einen durchweg unterhaltsamen Abend.
Berliner Morgenpost 25. März 2026:
"Berlin ist ein großer Widerspruch in mir"
Liedermacher Klaus Hoffmann wird 75. Ein Gespräch über seine Heimat, sein Publikum und das Jungbleiben im Alter.
Christoph Forsthoff
Berlin. Sein 75. Geburtstag steht kurz bevor - und auch wenn Klaus Hoffmann selbst sich "nicht darum geschlagen hätte, mit 3000 Leuten zu feiern": Sein langjähriger Hamburger Veranstalter Karsten Jahnke hat Deutschlands bestem Chansonnier für den 27. März ein großes Festkonzert in der Berliner Philharmonie mit Reinhard Mey, Erika Pluhar, Lydie Auvray und Katharine Mehrling beschert. "Das sind Freunde, die mich sehr lange begleiten - und insofern ist das schon eine außergewöhnliche Sache." Und sogleich erinnert er sich an die unglaubliche Geschichte vom Beginn seiner Karriere, als Willy Brandt und "Spiegel"-Gründer Rudolf Augstein in einem Cabrio durch Hamburg gefahren seien und im Radio Hoffmanns Lied "Gerda" hörten und der Ex-Kanzler so angetan war, dass sie beim Norddeutschen Rundfunk anriefen: "Daraufhin fingen meine ersten kleinen Shows an." Inzwischen hat Hoffmann mit "Ich bin" sein 51. Album veröffentlicht.
Was treibt Sie mit 75 Jahren noch auf die Bühne - die Furcht vor der Einsamkeit des Alters?
Klaus Hoffmann: Vielleicht auch. Aber ich bin ja so ein Mensch, der im Grunde sehr sonnig in einem sehr geplagten Berlin der Nachkriegszeit aufgewachsen ist - und da ist mir die Einsamkeit an sich sehr vertraut. Es gab sogar mal ein Lied der französischen Chanson-Sängerin Barbara über die Einsamkeit, das ich übersetzt habe - ja, so viele meiner Lieder entspringen aus dieser Einsamkeit. Insofern habe ich eher Angst, die Lebenszeit nicht genug zu nützen.

Sie möchten also die Ihnen gegebene Lebenszeit möglichst effektiv füllen...
... da höre ich einen eigenen Anspruch - der einem auch im Wege stehen kann, denn wir sind ja darauf getrimmt, nützlich zu sein. Für mich sind meine Lieder wie auch die Schauspielerei immer meine Erfüllung gewesen: Geschenke, dass ich das überhaupt machen konnte - und von daher bin ich mir selbst gegenüber auch verpflichtet, diese Geschenke nicht nur zu verwalten, sondern auch zu teilen.

Zu teilen mit Ihresgleichen - ist es nicht manchmal ernüchternd, dass zu Ihren Konzerten inzwischen vor allem ältere Menschen kommen, um Ihnen zu lauschen?
Eine Zeit lang habe ich mal gedacht, ich sei selber am Finish, wenn Ältere kamen. Andererseits sind diese auch begeistert: Ich mache das jetzt seit 50 Jahren, und viele sind mir treu geblieben und mit mir auf Augenhöhe erwachsen geworden - oder hängen auch an der Nostalgie und wollen dann den alten Klaus von früher. Insofern bedeutet es mir nicht so viel, wenn junge Leute dazukommen, nur um dann zu glauben, ich sei en vogue:Dazu bin ich zu altmodisch, zu klassisch, zu konventionell. Zumal der Konzertabend selbst jung genug und für mich wirklich ein Lebensmittel ist.

Stirbt mit Ihnen und Ihrem Publikum langsam die Spezies der Liedermacher aus?
Das unterschreibe ich nicht! Ob nun Neil Young, Patti Smith oder Jacques Brel: Ihre Lieder sind bis heute präsent. Ich war jüngst wieder einmal in Konzerten anderer Künstler, und dann kommt ein älterer Herr wie Bob Dylan auf die Bühne - und ich liebe ihn einfach mit seinen Altersschrullen! Schon allein solch ein Erlebnis ist ein ganz junger Vorgang, und das sehen viele Junge auch so. Und so werden immer wieder Leute mit einer Gitarre kommen und uns ihre Wahrheiten um die Ohren hauen. Insofern: Das Lied stirbt nicht aus - auch wenn es vielleicht nicht die Welt ändert.

Auf Ihrem jüngsten Album beschreiben Sie in "Zurück nach Berlin" das eigentümliche Gefühl, in Berlin zugleich verloren und aufgefangen zu sein, was in keiner anderen deutschen Stadt wahrscheinlich so möglich wäre. Woher rührt dieses Gefühl?
Aus einer Angst heraus. Ich bin ja primär mit Angst konfrontiert gewesen: Deswegen waren die Lieder auch immer so ein Stück Mutmacher, und das fand ich stets sehr schön. Aber Berlin war eben schon immer beides: Nachhausekommen und gleichzeitig der Gedanke "Um Gottes Willen, hast du nicht was anderes im Angebot!?". Die Stadt ist ein großer Widerspruch in mir - und ich bin dennoch hier zu Haus.

Und dieses zwiespältige Gefühl hält Sie bis heute in Berlin?
Na ja, ich träume schon immer mal wieder von den griechischen Inseln - und habe mich dann ja auch mit meiner Frau verdünnisiert in dieses wunderbare Haus in Kladow, in der Nähe des Sees. Dabei hatte ich dieses piefige Gesetteltsein immer abgelehnt - der Wanderer eben. Aber andererseits müssen Künstler geerdet werden, und deswegen ist es für mich eine große Stütze: also meine Heimat. Auch wenn der Strom hier immer mal wieder ausfällt und die Straßen mich an Afghanistan erinnern, weil sie so löchrig sind, dass du denkst, dein Auto versinkt hier...

Sie haben vor einiger Zeit im Interview erzählt, dass Sie den Glauben wieder für sich entdeckt hätten. Gewinnt solch ein Thema wieder
an Bedeutung, wenn der eigene Tod langsam näher rückt?
Da wir solche Kontrollfreaks sind, denken wir, das Leben bis zum Tod in der Hand zu haben. Doch dem ist nicht so: Wenn du dann dem Tod begegnest, stehst du diesem machtlos gegenüber, mit all deinen Ängsten - oder vielleicht auch mit gar nichts, weil dieser erlösend ist. Natürlich bin auch ich damit konfrontiert und der Frage: Bin ich hier auf Erden, um mir die Zeit zu vertreiben? Denn wir haben ja nur diese eine Strecke - und insofern hoffe ich, noch eine Weile zu leben.

Gibt es in dem Zusammenhang bei Ihnen so etwas wie die Sehnsucht nach der Vergangenheit - einer Zeit, als alles noch einfacher zu überblicken und auch die Zielgruppe leichter zu erreichen war?
Vergangenheit ist ein großen Wort. Charles Bukowski, ein ziemlicher Punker unter den Lyrikern, hat mal geschrieben: "Meine Lieblingszeit war die Hippiezeit" - was immer er darunter verstanden hat. ich würde heute sagen: "Es gibt noch was anderes als das, was ich den ganzen Tag hier in den Medien höre und sehe". Die Vergangenheit besteht aus vielen Repliken und Rückschauen - und da bin ich immer noch Kind genug, um zu sagen: ich klaube mir das Beste dabei heraus, damit ich im Hier und Jetzt weitergehen kann.

Bei einem unserer ersten Interviews ahben Sie mir prophezeit, eines Tages werde der Liedermacher Klaus Hoffmann sich in den Opa Klaus verwandeln, der seinen Enkeln erzählt. Bedauern sie, dass Sie diese Verwandlung nicht haben vollziehen können?
Ich habe ja mit Laura eine Tochter - allerdings ist da doch eher eine gewisse Distanz, und wir sehen uns nicht so viel. Und ich habe auch nicht dieses Opa-Gefühl mit den Enkeln, da haben Sie völlig recht. Dennoch sind Kinder für mich sehr wesentlich in meinem ganzen Werk - nur ist es nun einmal ein sehr narzisstischer Beruf.
Henry Miller hat einmal gesagt: "Meine Jugend hat sehr viel Zeit gebraucht, ehe ich jung wurde" - und entsprechend finde ich dieses Opa-Image ein bisschen überstrapaziert. Aber ich weiche Ihnen aus...

...Ihr gutes Recht - doch ich entnehme Ihrer Antwort, dass Sie für sich einen anderen Weg gefunden haben.
Die Unvernunft steht bei mir eben immer noch sehr im Raum und das Erleben. Das habe ich immer sehr idealisiert, und so fängt da bei mir auch schon die Sehnsucht an... verbunden mit dieser ungeheuren Lebensgier, die ich von meinen Eltern und Verwandten kennengelernt habe, die aus dem Krieg kamen. Insofern muss ich dem Typen, der dir das vor 20 Jahren erzählte, diesem Hoffmann, leider unrecht geben: Den Opa brauche ich jetzt nicht.
Philharmonie, Herbert-von-Karajan-Str. 1, Tiergarten. 27. März, 20 Uhr
B.Z. 24. März 2026:
"Der Schlosspark ist meine Kraftquelle"
Klaus Hoffmann schreibt all seine Lieder in Charlottenburg. Seinen 75. Geburtstag feiert er mit einem großen Konzert
von Martina Kaden
Charlottenburg - Was will ich hier, was mach' ich hier? Geh nicht zurück, geh nicht nach Berlin. Hier schläft das kleine Glück. Jetzt will ich nur noch nach Haus.
Seit mehr als 50 Jahren ringt Klaus Hoffmann mit dieser Stadt. So auch in dieser aktuellen CD "Ich bin", aus der die Zeilen oben stammen. In Berlin wurde er geboren, hier lernte er träumen, spielen, singen, fliegen. Er lächelt. "Es ist eine sich wechselseitig befruchtende Beziehung. Man nennt das, glaube ich, Liebe."
75 wird er in ein paar Tage, gefeiert wird der Jubeltag mit einem Megakonzert in der Philharmonie am 27. März, mit vielen Freunden - Katharine Mehrling, Erika Pluhar, Reinhard Mey, der Freund seit 40 Jahren.
Zeit für ein Treffen mit der B.Z. Einen Spaziergang durch den Charlottenburger Schlosspark hat er sich gewünscht. "Ich bin so frühlingssüchtig!", sagt er und blickt sich um. "Dies ist mein Lieblingspark, meine Kraftquelle. Als Kind war der Park für mich eine Befreiung. Draußen hatten die Häuser noch Einschusslöcher, wie die Seelen der Menschen."
Alle seine Lieder, sagt er, sind rund um den Park und seinen Charlottenburger Kiez entstanden. Sein Berlin, außen eingemauert, innen grenzenlos. Hier war er ein behütetes Schlüsselkind, sagt er. Seine Menschen waren "gierig auf Leben nach diesem Elendskrieg", das hat er aufgesogen. Die Mutter eine toughe Arbeiterin, der Vater, ein Finanzbeamter, starb zu früh, von ihm hat er sein künstlerisches Talent.
Mit 17 bricht er aus, raus aus der Enge der Mauerstadt. Fährt mit einem Kumpel im Käfer über Griechenland, durch die Türkei, wo sie sich mit dem Auto überschlagen. Weiter geht's zu Fuß, durch den Iran, bis nach Afghanistan. Hoffmann:"Ich wurde immer dünner." Zurück in Berlin wird er Schauspieler, enorm erfolgreich. Das Singen, das Liederschreiben immer im Seelengepäck.
Klaus fand seine große Liebe in Griechenland, auf dem Peleponnes, Malene, sein Lebensmensch, mit ihr und einem Kampfkater lebt er heute tief im Westen, in Kladow. Was sagt ihm diese Zahl 75? "Die Knochen dürfen noch nicht so knacken, dass ich nicht noch weiterwachse. Ich muss noch keinen Schuhen folgen." Und er fühlt sich sowieso eher wie 63 oder 50. "36 wäre auch gut."
Fr. 20 Uhr, Herbert-von-Karajan-Str. 1
BERLINER MORGENPOST, 13.12.2025:
DAS GESPRÄCH: "Ich glaubte an die Lieder, die Lieder glaubten an mich"
Liedermacher Klaus Hoffmann legt ein neues Album vor und wird bald 75 Jahre alt. Ein Gespräch über Berlin und Bob Dylan
Ulrike Borowczyk
Auf seinem neuen Album "Ich bin" vereint Klaus Hoffmann das, was er am besten kann: traumschöne Melodien, die anrühren, Geschichten, die in den Bann schlagen, besungen mit lebensweisen Texten, die unter die Haut gehen. Also all das, was den Berliner Liedermacher und seine Musik ausmacht. Dabei ist der Longplayer so etwas wie ein musikalischer Neubeginn. Denn neben Gitarrist Michael Brandt, Bassist Peter Keiser sowie Walter Keiser an Drums und Percussions gibt es einen Neuzugang an entscheidender Stelle in seiner Band. Warum das für den Sänger und Poeten Hoffmann gar nicht so einfach war, wie das neue Album entstand und was er im kommenden Jahr zu seinem 75. Geburtstag geplant hat, verrät er im Gespräch.

Herr Hoffmann, für die Fans dürfte es ein Schock gewesen sein: Sie und Ihr langjähriger musikalischer Leiter und Pianist Hawo Bleich haben sich getrennt. Warum?
Klaus Hoffmann: Er wollte andere Wege gehen, wie auch immer die aussehen mögen. Was traurig war. Aber Hawo war einzigartig. Wir haben 30 Jahre zusammengearbeitet, und das war über die Jahre wunderbar.

Wird es zukünftig noch eine punktuelle Zusammenarbeit mit ihm geben?
Nächste Frage. (lacht)

Nikolai Orloff, den viele von den Berlin Comedian Harmonists kennen, ist Ihr neuer Pianist. Wie kam es zu Ihrer Zusammenarbeit?
Ich kannte Nikolai. Vor Jahren war er unser Vertreter für Hawo, der mal eine Zeit lang krank war. Doch da hatte Nikolai noch nicht seinen eigenen Ton. Diesmal ist er nicht eingesprungen. Ich habe ja einen Pianisten gesucht. Ich kenne viele, richtige Cracks aus der Jazz-Szene. Die kommen aber nur, wann sie wollen. Mit denen kannst du nicht lange am Stück arbeiten. Ich fand also erstmal niemanden. Und dann kam Nikolai und hat es gut gemacht. Deshalb habe ich heute wieder eine Band.

Sie gehören zu den immer weniger werdenden Musikern, die alle zwei Jahre in schöner Regelmäßigkeit ein Album rausbringen. Im Zeitalter des Streamings ist das mittlerweile unüblich, weil man dadurch nicht mehr so viele Einnahmen generiert. Warum ist es Ihnen trotzdem nach wie vor wichtig?
Ich habe das Album anderthalb Jahre auf einem Handy vorbereitet. Wie Björk oder Patti Smith, die tüten das auch so ein. Durch die Trennung von Hawo hatte ich nichts. Vielleicht sogar noch weniger als nichts. Aber ich hatte mich. Auch, wenn ich nicht gleich an das geglaubt habe, was ich da machte. Ich kann sehr kritisch mir gegenüber sein. Ich habe mich gefragt: Warum will ich, daß es dieser Typ jetzt noch mal bringt? Und dann dieser Arbeitstitel, "Ich bin", was will er mir denn damit sagen? Dann habe ich mir gesagt, ich bin? Darüber können wir uns unterhalten. So fing die Reise an, und sie geht bis heute. Ich liebe dieses Album. Ich halte es für eines der stimmigsten, die ich gemacht habe.

Inwiefern?
An den Weihnachtstagen letztes Jahr lag Willie Nelson immer bei uns auf dem Plattenteller. Ein Erzähler in langer Tradition. Wie Neil Diamond. Sehr interessant, die alten Herren. Das hat mich begleitet. Also das einfache Instrument und ich erzähle meine Geschichte dazu. Darauf habe ich irgendwann eine große Lust bekommen und fing an, das Album zu bauen. Wir haben es live eingespielt und mußten dabei um nichts kämpfen. Ich fand, das war das Beste. Eine meiner schönsten Arbeiten. Wenn um 18 Uhr im Studio Schluss war, saßen wir in der Runde, und keiner wollte weg. Also gingen wir dann Bier trinken und fette Sachen wie Schnitzel essen. Wir haben alle drei Kilo zugenommen. Aber es war gut so.

In den Songs steckt eine tiefe Melancholie. Die musikalischen Arrangements hingegen sind deutlich entspannter. Wie kam beides zusammen?
Die Band, die mich ziemlich gut kennt, ließ mich mit dieser Melancholie machen, die mir wohl inne ist. Wie in der ersten Nummer. Ein Riesengedöns. Der Typ, also ich, kommt zurück in die Stadt, dreht sich vorher aber biblisch um und sagt: "Achtung, wenn du noch mal nach Berlin gehst, dann pass bloß auf, was dir passiert." Ich bin hier geborn und finde es nicht immer so wunderbar. Aber dieser Typ entdeckt, dass er die Stadt leider immer noch liebt mit all ihren Widersprüchen. Immer noch arm und grau, doch gleichzeitig auch lebendig und farbig. Als ich die Musik dazu allein hörte, dachte ich: Was ist denn hier los? Aber ich fand es toll, wie die Band mich, also den Leidenden, begleitet. Wie eine Mutter. Es gibt auch väterliche Anteile.

Ihre Themen Liebe, Berlin, Krieg und Frieden, Fernweh und Reisen sind dieselben wie früher. Inwieweit blicken Sie heute mit 74 Jahren anders darauf als der junge Liedermacher von damals?
Erstmal wollte ich ihn einholen. Ich hätte es mir als alter Mann aus Eitelkeit gerne gewünscht. Aber was der Klaus, wenn ich das mal so narzisstisch sagen darf, auf den ersten Alben machte, war revolutionär. Da ging so ein Typ, der wie ein Mädchen aussah, raus und suchte sich eine Band zusammen, die ihn fragend ansah: "Was machst du für Musik?" Ich sagte: "Keine Ahnung, aber ich will
Streicher haben." Und alle dachten: "Oh Gott, ist das James Last?" Nichts gegen James Last. Den habe ich sehr verehrt. Und dann haben wir komplizierte Texte in die Musik reingebracht. Und zwar mit einer brüchigen Stimme, weil ich überhaupt noch nicht vorhanden war. Dafür wurde ich ganz eigenartig angeguckt. Aber plötzlich standen die Leute auf. Nicht nur, weil ich so hübsch war, sondern weil die mich wirklich hören wollten. Das fand ich phänomenal. Das einzuholen, ist mir nie wieder gelungen. Aber ich habe an die Lieder geglaubt, und die Lieder glaubten an mich.

Wie würden Sie denn Ihre heutige Gemütslage bezeichnen: altersmilde, altersweise oder gar nichts von beidem?
Bob Dylan hat ja letztens gesagt, Gefühle gingen ihm nach wie vor am Arsch vorbei. Wir müssten jetzt weise werden. Ich dachte, hat er nichts anderes anzubieten? Ich habe mir stattdessen den Satz gemerkt: "Wohin fliehst du, wenn die Welt brennt?" Den fand ich interessant. Also würde ich sagen, ich bin eine Mixtur aus diesem Angebot. Und ich will natürlich noch lange leben. Ich bin so froh, dass ich das machen kann, was ich liebe. Und, dass immer noch Leute danach gieren, dass ein neues Album rauskommt. Das ist natürlich ein unheimliches Geschenk.

Jetzt geht es für Sie erstmal auf Tour, aber im März werden Sie 75 Jahre alt. Überlegen Sie, dann kürzer zu treten?
Ich will touren, aber bitte nicht das ganze Jahr. Wir hatten neulich eine Anfrage aus der Gemeinde Wesselburen. Das war ein Erlebnis. Ich bin mit Nikolai nach Schleswig Holstein hochgefahren, und wir haben da unseren Einstand vor 800 Leuten in einer Kirche gegeben. Viele der Fans waren ältere Damen, mit denen ich mich danach noch unterhalten habe. Sie sagten: "Wir kennen dich schon 30, 40 Jahre und schauen immer noch, wie du dich entwickelst". Ich dachte, jetzt bin ich 74 und entwickle mich immer noch? Es war sehr anrührend für mich, dass die Damen daran teilnehmen. Und dass sie zwischen den Zeilen lesen können und sich da rausholen, was sie brauchen. Es macht mir großen Spaß, dass ich sie bei den Konzerten auch irgendwie mit der Welt versöhne. Ich versöhne mich ja selber so damit.

Gehen Sie eigentlich noch auf die Konzerte von Kollegen?
Van Morrison immer, wenn es geht. Und
Bob Dylan. Seine letzte Platte ist seine beste, finde ich. Alle meine Freunde sagen, da steht doch ein über 80-jähriger Mann auf der Bühne. Ja. Und man muss es dann eben ertragen, dass der vielleicht nicht das Entertainment macht, das ich gerne haben will. Er macht das auf seine Art. Aber sei mal Bob Dylan.

Planen Sie eigentlich schon etwas zu Ihrem 75. Geburtstag nächstes Jahr für Ihre Fans?
Ein Konzert Ende März mit der Band in der Philharmonie. Dafür haben sich schon Gäste angekündigt. Ich werde mit Reinhard Mey zusammen ein Couplet singen. Und meine alte Mitstreiterin Erika Pluhar kommt aus Wien. Auch Lydie Auvray und Katharine Mehrling werden mit dabei sein. Aber in der Philharmonie darf man nur bis halb elf spielen. Daher müssen wir viel proben und dafür sorgen, dass dieser Hoffmann gut über die Bühne kommt. Was ich mitbringe? Alles, was ich bin.

Philharmonie, Herbert-von-Karajan-Str. 1, Tiergarten, Tickethotline 01806 57 00 70, 27.3., 20 Uhr

Zur Person
Geboren 1951 in Berlin, wuchs Klaus Hoffmann in Charlottenburg auf. Nach dem Realschulabschluss 1967 absolvierte er eine Lehre zum Großhandelskaufmann, entdeckte aber auch die Gitarre für sich, schrieb erste Texte und Melodien, zog durch die Westberliner Clubs. 1970 begann er eine Schauspielausbildung an der Max-Reinhardt-Schule. Er wurde als Shooting-Star gefeiert und hatte Engagements an großen Häusern wie der Freien Volksbühne Berlin, arbeitete mit Regisseuren wie Peter Zadek und Boy Gobert. Daneben arbeitete er an seiner Karriere als Liedermacher und Sänger, legte 1975 sein selbstbetiteltes Debüt-Album vor, dem über vier Dutzend weitere gefolgt sind. Untrennbar verbunden ist sein Name auch mit Jacques Brel, seinem Bruder im Geiste. Der Musiker lebt heute mit seiner Frau Malene und diversen Katzen in Kladow.
DIE WELT 11.12.2025
Klaus Hoffmann über „Ich bin“, sein neues Album:
„Ich war am Anfang schon am Ende“ – Klaus Hoffmann schaut zurück auf sich selbst
Von Stefan Grund, Redakteur

Vater des direkten Blicks: Klaus Hoffmann

Mit 18 war er Kaufmann und dachte, alles wäre aus. Dann wurde er Schauspieler und Sänger. Mit seinem Album „Ich bin“ geht Klaus Hoffmann mit sich und der Stadt, in die er heimgekehrt ist, ins Gericht. Hier spricht er darüber – und über seine Schummeleien.

Bei dem Typ dort gegenüber, in dem Fenster brennt noch Licht./ Er mustert alte Platten aus, ich denk an dich./ Bin seit gestern in der Stadt. Zimmer mies, kleine Pension./ Weiß nicht, was ich hier noch will. Keiner kommt davon.“ So lauten die ersten Zeilen auf dem neuen Album „Ich bin“ von Klaus Hoffmann. Und schon ist der Hörer mittendrin in Berlin, jener Stadt also, die so eng mit dem mittlerweile 74-jährigen Liedermacher und Sänger verbunden ist, dass sie sein Leben und Wirken seit jeher prägt. An der er sich im Gegenzug abarbeitet, im ihr eigenen Berliner Chanson.

Hildegard Knef hat es verkörpert, Harald Juhnke auch. Heute pflegt neben Klaus Hoffmann sein Freund Reinhard Mey das Genre. Mey singt auch auf der neuen Platte ein Lied mit ihm gemeinsam – den Ohrwurm „Ich geh’ auf deinen Straßen“ – in dem es heißt: „Berlin musst du dir verdienen.“ Das eingangs zitierte Lied trägt den Titel „Zurück nach Berlin“ und beschreibt das eigentümliche Gefühl, in Berlin nach Hause zu kommen, also irgendwie zugleich verloren und aufgefangen zu sein, was in keiner anderen deutschen Stadt möglich wäre. Von einer Rückkehr nach Berlin ist abzuraten, so unvermeidlich sie auch bleibt. Die Sehnsucht von Marlene Dietrich ist nur ein Beispiel.

In „Zurück nach Berlin“ schlägt Hoffmann denn auch den ganz großen Bogen durch sein Leben, „zurück bis zu den ersten Auftritten in Berliner Clubs, ich komme ja von der Singerei“, erzählt der in Charlottenburg aufgewachsene Künstler im Gespräch in Hamburg, seiner „Stadt fürs große Fenster“, wie er die Hansestadt nennt. Früher die Stadt seiner Plattenfirmen und jetzt die Stadt seines Veranstalters Karsten Jahnke. Nach der Schule machte Klaus erst einmal eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann.

„Als ich dann mit 18 den Gedanken ‚Du darfst handeln‘ verstanden hatte, dachte ich, es wäre alles aus, wie vermutlich viele in dem Alter. Stattdessen fuhr ich auf der Suche nach mir nach Afghanistan. Ich hatte eine Sehnsucht danach, aufgefangen zu werden, egal von wem. Großfamilien, die gemeinsam auf dem Rasen sitzen, Tee trinken oder Hammel essen, wo jeder dazugehört, fand ich attraktiv.“

1969 war das, die Flucht aus der kleinbürgerlichen Enge nach Afghanistan, von der Hoffmann zerschlissen und um einige lebensgefährliche Erfahrungen reicher nach Berlin zurückkehrte, um gleich noch einmal neu anzufangen. „Ich bekam ein Stipendium von 400 Mark für die Max-Reinhardt-Schule für Schauspiel, hatte eine Butze für 100 Mark mit Kohleofen und machte mit Auftritten in Clubs einen Tausender“, erinnert sich Hoffmann. „Da entstanden die ersten Lieder. Also bevor ich Schauspieler wurde. Das war super, eine meiner besten Zeiten.“

Viele wollten diesen jungen Asketen mit dem pathetischen Blick:
Klaus Hoffmann

Seit damals hat er sich diesen charakteristischen, zweifelnden Ton bewahrt in seinen Liedtexten, unter Liedermachern ein Alleinstellungsmerkmal. Hoffmann: „Dass auch Zweifel vorkommen im Leben, dass man zerbrechlich bleibt, dass man so den Moment sucht, das kenne ich von allen meinen Kollegen. Ich war am Anfang schon am Ende, diesen Widerspruch habe ich gelebt und freimütig gezeigt. Manchmal auch viel zu dick.“

In den folgenden Jahren kam mehr und mehr der Schauspieler Hoffmann zum Vorschein und half dem Sänger auf dem Weg nach oben, bis zu den legendären Alben „Was fang ich an in dieser Stadt?“ von 1978 und „Westend“ von 1979. Beide erschienen also nach dem Durchbruch mit der Hauptrolle im Film „Die neuen Leiden des jungen W.“ von Ulrich Plenzdorf 1976. Da hatte Hoffmann schon diesen unglaublich direkten Blick in die Kamera drauf wie kaum ein anderer.

„Das fanden viele damals ganz toll, aber das war ein Irrtum, ich konnte nicht anders. Ich sah ganz gut aus, wie ich heute weiß, und viele wollten diesen jungen Asketen mit dem pathetischen Blick.“ In Wahrheit, so Hoffmann „gab mir die Schauspielausbildung ein bisschen Stütze, die ich brauchte, um überhaupt aufzutreten. Dann habe ich langsam eine Bühnenfigur für meine Konzerte daraus gemacht.“

Zu dieser Bühnenfigur gehören seither die Chansons von Jacques Brel, deren führender Interpret Hoffmann hierzulande mit seinen deutschen Versionen wurde. Geprägt haben ihn aber auch Ray Charles, Bob Dylan und Pete Seeger. Zur werdenden Bühnenfigur gehörte die Suche nach dem passenden Outfit. „Damals trug ich Karohemden, weil ich wusste, dass alle das gut finden, aber eigentlich wollte ich immer schon Anzug tragen“, erzählt Hoffmann. Der passte auch besser zu Brel. Dennoch hat es eine Weile gedauert, bis Hoffmann so weit war. „Ende der Siebzigerjahre wollten dann viele in der Szene, dass ich in eine kommunistische Partei eintrete, in die KPD/ML oder in die DKP. Da habe ich immer geantwortet, ich bin Anarchist, ich lese nur noch Rimbaud.“

Heute, mehr als 40 weitere Alben, drei Romane, ein Brel-Musical und eine Autobiografie später, ist dieser Rimbaud auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Sein Album ist aufgebaut wie eine Novelle, da ist einer in 13 Titeln immer noch auf der gradlinigen Suche nach, auf der Reise zu sich selbst. Der kann sich wieder wie ein staunendes Kind freuen, der Titel „Es schneit“ ist ein beschwingtes Weihnachtslied, das vermutlich leider nicht so häufig wie „Last Christmas“ im Radio laufen wird.

„Der Sänger ist immer noch gefragt“:
Klaus Hoffmann

Anschließend erklingt dann gleich eine poetische Kurzbiografie in Liedform, „Ich bin“ ist ein Bekenntnis zum mutigen Springen. In eine Künstlerexistenz etwa. Hoffmann hat den Sprung als Sänger, als Schauspieler und als Autor gewagt. „Der Schauspieler trägt mich“, sagt er, „und der Sänger ist immer noch gefragt.“ Auch der Blick nach außen auf „Die Kinder der Kriege“ verrät grundsätzlich, „wie zerbrechlich wir doch sind“.

Mit dem neuen Album geht Klaus Hoffmann, der mit seiner Frau Malene Staeger in Kladow bei Berlin wohnt, ab Februar 2026 auf Deutschland-Tour. Begleitet wird er bei seinen „Ich bin“-Konzerten nur vom Pianisten Nikolai Orloff, der aus Minsk stammt und seit 1997 in Berlin lebt. Aufs Publikum freue er sich, sein Lachen habe er „wiedergefunden“, sagt er, und im Konzert improvisierte er wieder viel drauflos beim Moderieren. „Manchmal übertreibe ich dabei, da muss ich aufpassen“, sagt Hoffmann. „Andererseits ist es doch der Moment, der zählt.“

Klaus Hoffmann: „Ich bin“ (Stille Music). Im März 2026 gibt der Liedermacher dann drei Konzerte mit seiner Band, aus Anlass seines 75. Geburtstags am 26. März. In der Philharmonie Berlin am 27. März, am 28. März in der Hamburger Laeiszhalle und am 29. März im Theater am Aegi in Hannover.
Aachener Zeitung 28.11.2025:
Klaus Hoffmann sucht sich
Klaus Hoffmann: "Ich bin" (Stille Music/Indigo)
Keck behauptet der Berliner Chan-
sonnier Klaus Hoffmann im
Titelstück seines neuen Albums: „Ich bin“.
Als ob ihm das irgendjemand,
der mit seinem Gesamtwerk vertraut ist,
abkaufen würde!
Seit Jahr und Tag befindet sich der
Mann, dem auch die Schauspielerei
bestens zu Gesicht steht, auf der
Selbstsuche. Es mag ja sein, dass er
sich kurz vor der Vollendung seines
75. Lebensjahres ein Stück näherge-
kommen ist.
Aber zum Glück bleibt der Trou-
badour weiterhin ein Suchender.
Seine Lieder dienten unzähligen
Menschen über die Jahrzehnte als
Projektionsflächen für Erkundungs-
reisen zum Kern ihrer Persönlich-
keit. Oder aber zumindest zu den
Wurzeln dessen, was sie zu sein
glauben. Flankiert von vier exzellen-
ten Musikern, setzt er das Trachten
nach der eigenen Wahrheit mit
frischem Elan fort. Er bleibt dabei
wie gehabt viel zu allumgreifend
musikbegeistert fürs reine Lieder-
macherfach. Inhaltlich ist diesmal
ein verstärktes Bewusstsein fürs
Endliche der Gedankentreibstoff,
aus dem Hoffmann feinmotorisch
artikulierte Sorglosigkeit gewinnt.
„Es schneit“ lässt in Burt-Bacha-
rach-Manier die Gleichzeitigkeit der
Dinge zwischen Anfang, Ende,
glühender Verehrung und Bezie-
hungsausfahrt skurril leicht er-
scheinen. Der Geist seines großen
Bruders Jacques Brel schaut Hoff-
mann im traumjagenden Titelsong
wohlwollend über die Schulter.
Erinnerungen, so mehrdeutig wie
widersprüchlich, setzt der Mann
von der Spree in „Deshalb bin ich
hier“ in den Kontext der nimmersat-
ten Sehnsucht. Steinerweichend
rührend ist das Duett „Ich geh auf
deinen Straßen“, in dem Hoffmann
mit seinem Freund Reinhard Mey
herrlich selbstironisch dialogisiert.
Die Nummer macht zudem mit
einem grandiosen Plädoyer für
Musiküberzeugungstäter auf: „Wir
brauchen Fachkräfte in Sachen
Träume.“ Wenn im letzten Stück die
Frage „Bist du bereit?“ aufkommt,
fühlt es sich längst einmal mehr
erbaulich-gut an, dem freundlichen
Dichterfachmann Hoffmann zu
lauschen. Am 19. Februar 2026 tritt
er in Düsseldorf auf. (ML)
paperpress Nr. 641-13 vom 15.09.2025
Von Ed Koch
Schnuckedönschen
An den Pumpernickelscheiben, belegt mit allerlei Köstlichkeiten, kommt man bei einem Besuch in der Bar jeder Vernunft nicht vorbei, auch wenn eine
Platte mit zehn Häppchen, einschließlich zwei Buletten mit Senf,inzwischen 17,50 Euro kostet. Ob sich der Preis senken würde, wenn die Mehrwertsteuer
von 19 auf sieben Prozent fiele, weiß man nicht.
Vor dem letzten Konzert von Klaus Hoffmanns „Flügel“-Reihe konnte man bei schönstem Spätsommerwetter gestern noch vor der Bar speisen. Heute siehts ja nicht so gut aus mit dem Wetter.
Während in NRW die Stimmen ausgezählt wurden und Deutschland jetzt auch Basketball-Europameister ist, war in der Bar wieder eines dieser wunderba-
ren Konzerte von Klaus Hoffmann zu erleben. Keines gleicht dem anderen, immer wieder stellt er die Reihenfolge um und sorgt für Abwechselung. Und, es
gelingt ihm in den Geschichten aus seinem Leben, die er zwischen den Liedern erzählt, neue Gags einzubauen. Auf die Klassiker „Uelzen“ und die Sache mit der Fernbedienung verzichtet er natürlich nicht. Der Bekanntheitsgrad von Uelzen ist ohnehin größer geworden, seitdem man dort auf dem Weg nach Hamburg während der Strecken-sanierung vorbei muss.
Auf die Dauerbrenner „Blinde Katharina“, „Amsterdam“ und dem berühmten „selben Mond über Berlin“, muss das treue Publikum, das gern mitsingt,auch nicht verzichten. „Hawo geht jetzt andere Wege“, sagt Klaus Hoffmann mit Blick aufs Klavier,an dem nun der hochtalentierte Nicolai Orloff als Nachfolger von Hawo Bleich sitzt.
Was für ein entspannter Abend, abseits dessen, was draußen in der Welt passiert, Klaus Hoffmann in seinen Texten aber nicht unberührt lässt, wenn er beispielsweise über Odessa singt. „Im Osten geht die Sonne auf, in Odessa leider nicht“, heißt es im Lied.
Heute geht’s für zwei Wochen mit seiner Band nach München ins Studio. Das neue Projekt heißt „Ich bin“. Dreizehn Titel werden auf dem Album zu hören sein. Ja, Klaus Hoffmann ist, und das hoffentlich noch lange. Im März 2026 wird er 75, gefeiert wird
in der Berliner Philharmonie, der Hamburger Laeiszhalle und dem Aegi Theater in Hannover, eine Drei-Städte-Tour, die Tradition hat. In Berlin wird sein Freund Reinhard Mey dabei sein, auch mit einem Titel auf dem neuen Album.
Kieler Nachrichten 27.08.2025:
"Meine Lieder sind im Grunde Kinderlieder"
Frisch wie eh und je: Klaus Hoffmann bot im Kieler Metro-Kino eine musikalische Lesung voller eindringlicher Erinnerungen
von Sabine Tholund
Klaus Hoffmann ist ein gern gesehener Gast in Kiel. 2023 war er zuletzt hier - auf der Freilichtbühne Krusenkoppel. Nun kam er gleich für zwei Auftritte am Montag und Dienstag nach Kiel: Ins Metro-Kino hat er neben seiner Gitarre seie bereits 2012 erschienene Autobiografie "Als wenn es gar nichts wär" mitgebracht.
"Das Buch ist gut", befindet er mit augenzwinkerndem Blick auf das zerlesene Exemplar. Als Geschichte seines Lebens bilde es den Grundstoff seiner Lieder. "Meine Lieder sind insofern im Grunde Kinderlieder", sagt der 74-jährige. Denn "politisch" sei er quasi "unter aller Sau" und "gehöre keiner Fahne an". agt er. Und relativiert das Gesagte umgehend mit der Frage:"Wo sind eigentlich die Tyrannenmörder, wenn man sie braucht?"
Von Altersmilde ist bei Hoffmann nicht viel zu spüren. Ein von Ironie geprägter Unterton beherrscht sein frotzelndes Geplänkel mit dem Publikum. Um sein fortgeschrittenes Alter geht es immer wieder und darum, dass die Menschen im Saal scheinbar ähnlich viele Jahrs auf dem Buckel haben.
Doch Thema ist vor allem das Leben des Sängers und Liedermachers, der in Berlin-Charlottenburg aufwuchs und auf eine nicht ganz einfache Kindheit zurückblickt. Eindringlich sind seine Erinnerungen, die Bilder entstehen lassen vom Leben in einer vom Krieg gezeichneten Stadt.
Als Hoffmann zur Gitarre greift und das Lied vom "König der Kinder" anstimmt, geht ein zustimmendes Raunen durch den Saal, das in ein andächtiges Summen übergeht und begeistertem Applaus mündet. Dieses Muster zieht sich durch den Abend. Kurzen Lesepassagen folgen Gesangseinlagen, darunter "Oh, mein Gott ist weit", das an den frühen Tod seines Vaters erinnert. Hoffmanns Stimme klingt dabei so frisch und sanft wie eh und je, kann schmelzen und erstaunliche Höhen erklimmen.
Aber sie kann auch rau und kratzig sein, wie später in "Amsterdam", dem Song von Jacques Brel, mit dem er den zweiten Teil des Abends einleitet.
"Afghana" heißt der autobiografische Roman. Er erzählt von der abenteuerlichen Reise nach Goa, die sein 18-jähriges Alter-Ego mit einem Freund in einem VW-Käfer antritt. Mit viel Haschisch und Hindernissen führt die Reise durch Afghanistan, das nicht nur positive Überraschungen bereithält.
Hoffmann singt und erzählt, erzählt und singt - auch a capella - und erntet am Ende begeisterten Applaus.
boysen-medien Zeitung DLZ 05.08.2025:
"Weil er nicht ist wie alle anderen"
Wesselburen, St. Bartolomäus Kirche
03.08.2025
Zum ersten Mal konzertierte Klaus Hoffmann an der Westküste. Sein Debüt war ein facettenreiches Wechselspiel zwischen Liedermacher und Publikum
Von Henning Voß
Ein Programm von etwa zwei-
einhalb Stunden, dargebo-
ten von einem Routinier mit
einem halben Jahrhundert Bühnen-
präsenz und einem mittlerweile et-
wa 400 Lieder umfassendem Reper-
toire – Klaus Hoffmann sollte sein
gut 500 Zuhörer zählendes Publi-
kum in der Hebbelstadt nicht ent-
täuschen. Dass er und sein Pianist
Nikolai Orloff nur nach zwei Zuga-
ben und mit stehenden Ovationen
entlassen wurden, dürfte nicht über-
raschen. Hoffmann zeigte sich aus-
gesprochen auftrittsfreudig, was der
74-Jährige auch auf seine Zuhörer
zurückführte. „Das war ein tolles Pu-
blikum“, sagte Hoffmann nach dem
Konzert im Gespräch mit unserer
Zeitung, es sei „zwischen leise und
dynamisch“ gewesen.
Dieser Satz des Künstlers gilt
durchaus auch für ihn selbst. Hoff-
mann ist ein Meister der leisen Tö-
ne, seine Texte sind filigran, vieles
steckt zwischen den feinfühligen
Zeilen. „Klaus Hoffmann ist ein Was-
serträger, er trägt zur Karawane das
Seelenwasser“, sagte Pastor Simon
Luthe in seiner Begrüßung. Ein Satz,
den Luthe Hoffmann zuschrieb. Der
wiederum griff dieses Wort humo-
rig auf.
Überhaupt der Humor: Klaus
Hoffmann ist auf der Bühne ebenso
launiger Entertainer wie tiefsinniger
Chansonnier. Der Berliner spult sein
Programm nicht herunter, vielmehr
begleitet er seine Lieder, ein Streif-
zug durch sein 50-jähriges Schaf-
fen, mit viel Augenzwinkern und
Witz, wobei er ständig den Kontakt
zum Publikum sucht. Hoffmann er-
zählt von seinen frühen Jahren in
Berliner Szenekneipen, in denen er
glattrasiert auftrat und so ganz an-
ders aussah als seine damaligen Zu-
hörer. „Damals trugen alle Bart, so-
gar die Frauen. Nur ich nicht, ich war
der Rebell unter den Rebellen.“ Er
plaudert über seine abenteuerliche
Reise mit einem Freund, im Käfer
Richtung Goa, jäh unterbrochen von
einem Unfall. Den überstanden er
und sein Begleiter unverletzt.
Klaus Hoffmann sang in Wessel-
buren Stücke seines aktuellen Al-
bums „Flügel“, etwa „Neuer Mor-
gen“, „Kinder“, „Bin nicht Meer, bin
nicht Sand“ oder „Kein Held“. Und,
natürlich, ältere Stücke wie „Weil du
nicht bist wie alle anderen“ und ei-
nige seiner Brel-Interpretationen.
Wer bereits Ende der 1970er-Jahre
Hoffmanns deutsche Adaptionen
von Jaques-Brel-Klassikern wie
„Amsterdam“ oder „Ne me quitte
pas“ („Bitte geh nicht fort“) gehört
hat, wird bemerkt haben, dass sich
die Übersetzungen im Vergleich zu
den früheren Fassungen etwas ver-
ändert haben. So wie sich der
Sprachgebrauch in Teilen der Ge-
sellschaft verändert hat, was Klaus
Hoffmann nicht unkommentiert
ließ, als er von dem Kopf eines Hir-
sches über dem Kamin sprach:
„Oder soll ich Hirschin sagen? Heu-
te musst du vorsichtig sein.“ Und
fügte hinzu: „Es ist unglaublich, was
wir heute so fabrizie-
ren.“
Im positiven Sinne unglaublich war, was Klaus Hoffmann an diesem Sonntag-
abend fabrizierte: spitzbübisch, hintergründig. Dabei
kokettierte der Liedermacher auch
mit dem Träger der Kanzel, einer
Skulptur von Moses und Johannes,
dem Täufer. Auch hier nicht respekt-
los, sondern augenzwinkernd. Aller-
dings gab es auch einen Wermuts-
tropfen: Das Publikum in den hin-
teren Reihen beklagte während der
ersten Hälfte die schlechte Tonqua-
lität, Hoffmann war kaum zu verste-
hen. In der zweiten Hälfte war das
dann deutlich besser, hieß es von ei-
nigen Zuhörern.
Dieser überaus gelungene Abend
ist drei Wesselburenern zu verdan-
ken. Bernd Nommensen, Carl Ger-
hard Spilcke-Liss und Kirchenmu-
sikdirektor Gunnar Sundebo hatten
vor etwa einem halben Jahr den
Kontakt zu Klaus Hoffmanns Agentur
aufgenommen und das Konzert organi-
siert – ein Debüt wie Hoffmanns Auftritt an der Westküste selbst. „Wir sind ein kleiner lokaler
Kulturkreis“, stellte Nommensen
das Trio in seiner Begrüßung vor.
„Unser Motto ist, die Künstler unse-
res Herzens zu präsentieren. Und
heute haben wir hier einen Künst-
ler, der mich seit 35 Jahren durch
mein Leben begleitet.“ Nach dem
äußerst gelungenen Auftakt mit
Klaus Hoffmann bleibt zu wün-
schen, dass die drei Kulturfreunde
beizeiten nachlegen.
Klaus Hoffmann überzeugte sein Publikum in Wesselburen nicht nur mit seinen Liedern, auch seine Qualitäten als Entertainer konn-
ten sich sehen lassen.
Westfalenpost 10.04.25
Altmeister des deutschen Chansons begeistert Publikum
Christoph Clören

Herdecke. Klaus Hoffmann entführt Zuhörer auf dramaturgisch klug konzipierten „Rundflug“ durch alle Spielarten der hohen Liedkunst

Neben Reinhard Mey und Hannes Wader ist Klaus Hoffmann der letzte „Altmeister“ / „Grandseigneur“ des deutschen Chansons. Davon konnten sich am Sonntagabend die eingeschworenen Fans im restlos ausverkauften Werner-Richard-Saal in Herdecke überzeugen.

Im Fokus des aktuellen Programms stand sein letztes und 50. (!) Album mit dem programmatischen Titel „Flügel“. Der Name ist Programm: Begleitet von Hawo Bleich an Klavier und Keyboard entführte der in seiner mittlerweile ein halbes Jahrhundert währenden Laufbahn weit herumgekommene Schauspieler und Sänger die Zuhörer auf einen ausgedehnten, dramaturgisch klug konzipierten „Rundflug“ durch alle Varianten und Spielarten der hohen Liedkunst mit vielfältigen Einflüssen deutscher und französischer Chansons sowie irischer Folklore garniert mit einem beschwingten Schuss Latin-Jazz.

Schon Theaterlegende Boy Gobert erkannte im jungen Schauspiel-Eleven Hoffmann Anfang der 70er den idealen Interpreten der Chansons von Jacques Brel – Klassiker wie „Amsterdam“, „Mein Flanderland“, „Adieu Emile“ u.a. von Hoffmanns legendärem Live-Album „Wenn ich sing“ aus dem Jahre 1977 wurden jahrelang in zahlreichen Studenten-WGs und Alternativ-Kneipen beim wehmütigen Räsonieren über Gott und die Welt sowie Ertränken von Liebeskummer rauf und runter buchstabiert. Spätestens mit dem Album „Ciao,Bella“ von 1985 entwickelte Hoffmann ein eigenes Profil als Liedermacher und Songschreiber.

Klaus Hoffmanns eigene Balladen verströmen ebenso wie seine unerreichten Interpretationen von Liedern Jacques Brels bittersüße Melancholie, engagierte Leidenschaft und die Sehnsucht nach Freiheit und Liebe und einer besseren Welt, ohne auch nur eine Sekunde in sentimentalen Kitsch und überzogenen Pathos zu verfallen. Einer heikle Gradwanderung, die dem Barden aus Berlin nach wie vortrefflich gelingt. Flammende Plädoyers gegen den Kriegsdienst („Kein Held“), gegen die Verherrlichung falscher Götzen und Ideale in der Gesellschaft und erzwungenen Konsumterror („Ich gehe ins andere Blau“) wirken ebensowenig aufgesetzt wie die flammend artikulierte Sehnsucht nach Liebe („Mon Amour“) und die Angst vorm Verlassenwerden (Brel-Adaption „Geh nicht fort von mir“ mit frisch aktualisiertem Text).

Dabei sorgt Tastenbegleiter Hans-Wolfgang Bleich mit atmosphärischen Sounds und Streicherfiguren vom Synthie sowie einfallsreichen, immer neu entwickelten Melodien vom Klavier gleichermaßen für das passende akustische Ambiente als auch einen fantasievollen Kontrapunkt zu Hoffmanns Melodien und seinem fließendem Spiel auf der Akustik-Gitarre. Mit augenzwinkernder Selbstironie und zuweilen bissigem Zynismus nahm Hoffmann als Conferencier in seinem Zwischen-Ansagen sich selbst beim Thema Älterwerden aufs Korn – nicht ohne sarkastische Seitenhiebe in Richtung Publikum.

Nach 50 Jahren intensivstem Bühnenleben hat der Vollblut- Chansonnier, Schauspieler und Entertainer kein Quentchen von sympathischem Humor, suggestiver poetischer Erzählkraft, charismatischer Bühnenpräsenz und stimmlicher Qualität eingebüßt. In den unvermeidlichen Zugaben ging der symphatische Sänger bei „Mein Kiez“ auf Tuchfühlung mit dem Publikum – ein „Star“ zum Anfassen ! Die geneigten Zuhörer revanchierten sich, in dem sie den letzten Song „Derselbe Mond“ lauthals mitanstimmten und dem Sänger glatt die Arbeit abnahmen – ein für alle Beteiligten rundum beglückender Abend!
Berliner Morgenpost 30.11.2024
Klaus Hoffmann erfreut sich an Berlins Baustellen
Der Liedermacher denkt in der Philharmonie an seine Kindheit zurück
Ulrike Borowczyk
Der Tod des Vaters war die Tragödie mit Ansage in seinem damals noch sehr jungen Leben. Immer wieder kreist Klaus Hoffmann in seinen Liedern um diesen prägenden Moment. Auf seinem aktuellen Album "Flügel", dem 50. Longplayer seiner 50-jährigen Karriere, heißt der Song dazu "Oh mein Gott ist weit". Er besingt einen Engel, der Hoffmann im Traum erscheint wie vielleicht der Vater dem Kind. Das erhofft sich von ihm Halt und Weisung in einer unsicheren Zeit, in der ihm alle plötzlich sagten, nun sei er der Mann im Haus. Angesichts der multilateralen Krisen auf der Welt lässt sich das Stück selbstredend auch allgemeingültiger interpretieren. Wie viele der zeitlosen Songs des Musikers.
Live beim Konzert in der Philharmonie performt Klaus Hoffmann das Lied mit einer wehmütigen Hingabe, die so ganz anders ist als seine launigen Moderationen. Dabei lässt er den Schauspieler von der Leine, der den Sänger zuweilen zu übertrumpfen scheint. So erzählt er mit sichtlicher Lust am Fabulieren, er sei gerade mit der Band im Privatflieger aus Uelzen gelandet und habe sich auf seine Heimatstadt Berlin mitsamt aller Baustellen gefreut. Und schon unterläuft er die Erwartungen, die das Publikum nun mal bei einem Konzert hat. Statt Musik zu machen, redet er und zieht erst mal das Jackett aus, bevor er den ersten Ton singt.
Zunächst müssen aber alle Geschichten raus. Obwohl Klaus Hoffmann der Überzeugung ist, es seien immer dieselben aus der Nachkriegszeit, die er da zum Besten gibt. Aber so einfach ist es bei dem 73-jährigen natürlich nie, wenn er von der Kindheit in Charlottenburg, der Jugend in Zehlendorf und der Liedermacher-Szene in den 1970ern in West-Berlin erzählt.
Dabei kommt sein inneres Kind ziemlich vorlaut zum Vorschein. Streicht den Menschen in Reihe eins schon mal über den Kopf. Plaudert von der Mutter, die aussah wie die Callas, aber Schnulzenstar Bata Illic hörte. Für den Vater kaufte er Cognac in rauen Mengen, damit der überhaupt lachen konnte. Ein Versehrter. Äußerlich gezeichnet von Krankheiten, innerlich vom Krieg. Der Junge in Klaus Hoffmann überspielt diese Brüchigkeit des Lebens mit humorigem Charme. Aber wenn er nachts im Durchgangszimmer lag, hörte und verstand er alles.
Nach dem Tod des Vaters erkannte er, dass viele Lieder in ihm steckten. So bekam und bekommt er die Kurve zum Gesang - und schlägt den Bogen zur Gegenwart. Zu den Kriegen überall, die ihn umtreiben und fragen lassen: "Wo sind eigentlich die Tyrannenmörder, wenn man sie braucht?" Da darf Jacques Brel, Hoffmanns Bruder im Geiste, genauso wenig fehlen wie dessen Antikriegssong "Marieke". Den stimmt der Liedermacher leise auf seiner akustischen Gitarre an, begleitet von Hawo Bleich an den Tasten sowie Michael Brandt an der E-Gitarre, Peter Keiser am Bass und Walter Keiser am Schlagzeug. Ein stimmiges, traumhaftes Arrangement. Am Ende scheint es, als habe Klaus Hoffmann seiner Biografie wieder ein Mosaiksteinchen hinzugefügt.
Hamburger Abendblatt 27.11.2024
"Mensch mit Fehlern und viel Herz"
Der Liedermacher Klaus Hoffmann zieht bei seinem Auftritt in der Laeiszhalle alle Register
KULTUR
Tino Lange
Hamburg. „Sie sind das beste Publikum, das wir heute auftreiben konnten“, sagt Klaus Hoffmann gleich zu Beginn seines Konzerts in der Hamburger Laeiszhalle. „Manche sind aus Berlin gekommen, manche aus Uelzen, wie sich das gehört. Manche sind jünger, aber bei manchen frage ich mich, ob sie die zweite Konzerthälfte noch erleben.“
Ja, bitte recht freundlich, Herr Hoffmann! Aber so ist sie nun mal, die Berliner Schnauze. Im Fall des Liedermachers von der Spree ist sie
aber selten pampig. Vulgär, ja. Aber auch feingeistig. Berührend und zärtlich. Dann wieder dreist und voll daneben. Bei Klaus Hoffmann(73) kommt so unglaublich viel zusammen. Der Hintergrund des kleinbürgerlichen Milieus im West-Berlin der 50er- und 60er-Jahre, jener der Kneipen-Kleinkunst bei einem Glas Mampe Halb & Halb. Das Aus- und Aufbrechen auf den Hippie-Trail nach Afghanistan. Großes Theater an der Berliner Freien Volksbühne und am Hamburger Thalia Theater in den 70ern. Der Liedermacher mit 50 Alben (2023 erschien „Flügel“) und kaum weniger Tourneen.

Was für ein Prachtexemplar, das da bei den ersten Songs „Neuer Morgen“ und „Kinder“ durch die ersten Reihen läuft und einen Aussetzer gleich zum Witz macht: „Jetzt habe ich einen Texthänger, da hätte ich auch gleich zu Hause bleiben können.“ Unmittelbar davor blickte er noch in die Abgründe des Weltgeschehens: „Kinder sind die Leidtragenden, ob in Palästina oder Israel.“ Noch ein Bruch, zurück in die eigene Kindheit, zum „Markttag“. So einer wie Hoffmann wird heute nicht mehr gebaut. Diese Generation der Sänger, mit Hoffmanns Freund und Trauzeugen Reinhard Mey, mit Hannes Wader („Kennen Sie den noch?“) oder Konstantin Wecker hat heute mehr hinter als vor sich.
„Weil du nicht bist wie die andern“ ist eine Art Selbstbeschreibung Hoffmanns und bekommt den ersten großen Applaus der rund 1000 Fans im Saal. Verdient ist der sehr an diesem Hamburger Montag, an dem Hoffmann „Berliner Sonntag“ singt. Seine Band mit Michael Brandt (Gitarre), Hawo Bleich (Flügel und Keyboard), Peter Keiser(Bass) und Walter Keiser(Schlagzeug) spielt beinahe perfekt seriös, erträgt stoisch ewiges Nachstimmen von Hoffmanns Gitarre und unterlegt auch seine Erzählungen mit sanften, geduldigen Akkorden.
„Über unserem Sofa hing ein Bild mit einem Hirsch … oder Hirschin … man muss ja jetzt aufpassen mit dem Gender-Scheiß“, mault Hoffmann, um direkt wieder die andere Perspektive einzunehmen: „Scheiße darf man sagen, aber nicht Gender.“ Mit seinen Sprüchen zielt er immer auch auf sich, stellt sich bloß, entblättert sich geradezu: „Ich hatte mit 24 eine Nacktrolle, meine Hoden glänzten wie leuchtende Birnen.“ Ja danke, Herr Hoffmann, wirklich gut zu wissen!
Harald Juhnke oder Bob Dylan? Ingo Insterburg oder Bruce Springsteen? Jacques Brel oder Léo Ferrét Gardinenkneipe oder Audimax? Gosse oder Goethe? Hoffmann,dieses einstige Theater- und Filmtalent („Die neuen Leiden des jungen W.“), erweist sich in seinem mit Pause fast drei Stunden langen „Flügel“-Programm wie vor zwei Jahren ebenfalls in der Laeiszhalle wieder als herrlich sprunghaft bei seinen Inspirationen und Themen, auch wenn man die Lieder der beiden Konzerthälften grob in Nachkriegszeit sowie Liebe und Leben trennen kann. Nur direkt politisch wird er selten, aber in einigen Songs wie „Melancholia“, das dem Traum des Friedens zwischen Völkern und Religionen nachtrauert, oder dem neu-en „Bin nicht Meer, bin nicht Strand“ über den Ukraine-Krieg und mit Spitzen gegen Donald Trump oder Sahra Wagenknecht deutet er seine Haltung an. Einen Satz wie „Ich steh auf Scholz im April ... Merz“ lässt er allerdings wohl eher als Wortspiel zur Unterhaltung fallen.
Der Saal ist voll und ganz dabei. Reaktion und Gegenreaktion durch Zwischenrufe, Applaus, Mitklatschen, Mitsingen. Das Publikum jubelt frenetisch, als Hoffmann „Kein Held“ und „In meinem Kiez“ singt. Er ist in der Laeiszhalle kein Held,auch kein Künstler, sondern ganz Mensch mit Fehlern, Irrtümern, aber viel Herz. In der Welt der perfekt durchchoreografierten Konzert-Events ist sein Auftritt so live, wie live nur sein kann.
Der Abend wird lang, und Klaus Hoffmann und Band machen für die Zugaben noch mal die Putzlicht-Musik aus. Besonders „Heut Nacht“ und „Derselbe Mond über Berlin“ sind versöhnlich zärtlich und werden vom Publikum geradezu sehnsuchtsvoll mitgeraunt. Wohlwissend, dass draußen kein Mond scheint, sondern nur die Frontlinie der wartenden Taxis.
NDR-Kultur 24. November 2024
Klaus Hoffmann "Gehe jetzt in die zweite Lebenshälfte"
Seine größten Hits hatte er in den 70er-Jahren - doch Klaus Hoffmann hat nichts von seinen Entertainer-Qualitäten eingebüßt und verfügt immer noch über eine sehr treue Fangemeinde. Heute tritt er in der Hamburger Laeiszhalle auf.
von Stephan Bartels

Es gab eine Zeit, da war Klaus Hoffmann ein echter Superstar. Das war, als er Lieder wie "Adieu Emile" sang, Mitte der 1970er-Jahre. Er war ein gefeierter Schauspieler, verkaufte Millionen von Platten und hing als Poster in jedem zweiten weiblichen WG-Zimmer.
"Hamburg war immer der Beginn von etwas Neuem"

Ein halbes Jahrhundert später ist sein Ruhm etwas kleiner geworden, aber er ist immer noch da. Am Montag zum Beispiel in der Laeiszhalle, in einer Stadt, zu der dieser ewige Berliner eine besondere Beziehung hat. "Hamburg war immer der Beginn von etwas Neuem", erzählt Hoffmann. "Das Lied 'Was fang ich an in dieser Stadt', habe ich in Hamburg geschrieben, am ersten Tag. Völlig schräg. Ich brauchte die Distanz zu dieser Klamotte Berlin."

Damals hatte ihn Boy Gobert aus der "Klamotte Berlin" ans Thalia Theater geholt. Große Hoffnungen wurden in den jungen Mann gesetzt, aber die Schauspielerei war es dann langfristig doch nicht für Hoffmann. Anfang der 1980er-Jahre entschied er sich fürs "Liedermachen", so hieß das damals noch, und hat bis heute nicht damit aufgehört.
"Alle meine Lieder": Sammlung mit allen Songtexten

Gerade hat Hoffmann ein Buch mit all seinen Songtexten veröffentlicht. Ist "Alle meine Lieder" schon eine Art Vermächtnis? "Nee, nee", wiegelt er ab. "Aber in dem Buch ist mein gesamtes Archiv drin - ungefähr 360 Lieder. Ich gehe jetzt, würde ich sagen, in die zweite Hälfte meines Lebens mit 73."

Von der ersten Hälfte singt und erzählt er unermüdlich auf seinen Konzerten - und das sehr unterhaltsam. Abende mit Klaus Hoffmann sind nostalgisch, persönlich, irgendwie warm und ziemlich lustig. Dabei merkt man: Der Schauspieler steckt immer noch in ihm - und er war ein ziemlich guter, was jeder weiß, der einmal "Die neuen Leiden des jungen W." gesehen hat.
Die eigene Geschichte als Futter fürs Bühnenprogramm

Was früher war, beschäftigt Hoffmann. Seine eigene Geschichte ist Futter für seine Bühnenprogramme. Und die Beziehung zu Malene, seiner Frau, die er 1980 an einem Strand auf Kreta gefunden hat.

Stand jetzt wird der Abend in der Laeiszhalle am Montag nicht das letzte Hamburg-Konzert von Klaus Hoffmann sein - aber ganz sicher ist er sich dann doch nicht. "Da vermittelst du Botschaften, die du dein ganzes Leben erzählt hast", sinniert der Künstler über seine Konzerte. "Du machst es nur ein bisschen besser, und wenn du Pech hast, klüger, und dann kann das Routine werden. Dann muss ich sehen, ob das noch stimmt. Wenn das wegbricht, dann würde ich aufhören. Aber nur dann."

https://www.ndr.de/kultur/musik/pop/Klaus-Hoffmann-Gehe-jetzt-in-die-zweite-Lebenshaelfte-,hoffmann576.html
Westdeutsche Zeitung 17. November 2024
"Konzert von Klaus Hoffmann in Düsseldorf"
Klaus Hoffmann begeistert in der Düsseldorfer Tonhalle
Plauderer, Sänger, Menschenfänger
DÜSSELDORF · Er ist Musiker, Liedermacher, Chansonnier und ein äußerst unterhaltsamer Geschichtenerzähler. Klaus Hoffmann wickelt bei seinem Konzert in der Düsseldorfer Tonhalle das Publikum ein. Bringt es zum Lachen, ach, zum Prusten und stimmt es dann wieder mit seinen Liedern melancholisch.
„Mischung aus Yves Montand und Hildegard Knef“: Klaus Hoffmann nimmt sich gerne selbst auf die Schippe.

Von Peter Kurz

Anders als andere Musiker es halten, stellt Hoffmann als allererstes seine Bandmitglieder vor, die ihn teilweise schon seit Jahrzehnten durch die Konzertsäle begleiten und mit ihm seine 27 Studioalben und 17 Live-Alben produziert haben. Welch ein Repertoire, aus dem der Sänger da schöpfen kann – auch aus seinem jüngsten Album „Flügel“, das gut gemischt ist mit alten Liedern.

All die Songs, die er an diesem Abend singt, lassen sich nachhören. Wie sein „Ich hab’s gewusst“, „Wegen Dir“, „Wenn“, „Stille“, „König der Kinder“ oder das hymnische „Derselbe Mond wie über Berlin“. Und das von Hoffmann wunderbar interpretierte Herman-van-Veen-Stück „Ich lieb dich noch“. Für die Geschichten, die Plaudereien und die Art, wie Hoffmann sie vorträgt und sich dabei in die Herzen der Zuhörer quasselt, muss man schon in ein Konzert gehen.

Schon beim zweiten Stück hat er die Menschen für sich eingenommen. Da geht er von der Bühne ins Publikum, kollidiert dort fast mit einer zu spät angekommenen Zuschauerin, fragt sie: „Suchst du dein Zuhause?“ Weist ihr ihren Platz an. Geht weiter, streichelt einer Dame in der ersten Reihe die Wange und dem neben ihr sitzenden Kahlschädel die Glatze. Seinem eigenen Schlagzeuger, ebenfalls kahlköpfig, rät er, sich doch mal um seine Frisur zu kümmern.

Vor allem aber nimmt er sich selbst auf die Schippe, wenn er über den pfauenhaften Stolz seiner Jugend spricht: „Ich sah phantastisch aus, aus den Fenstern hingen sie, staunten: Da geht er, der Junge, der wird eine Karriere machen, mit seiner ausgewogenen Sexualität.“ Und: „Ich war so eine Mischung aus Yves Montand und Hildegard Knef.“ Da schweift er auch schon wieder ab, wie so oft an diesem Abend, kommt auf Yves Montand zu sprechen. Der sei mal in Cowboyklamotten aufgetreten, da habe ihm Edith Piaf gesagt, er solle das lassen, er singe doch nicht vor Rindern!

Früher, ja früher da hätten sich die Frauen, wenn das Konzert zu Ende war, vor den Bentley geschmissen. „Manche warfen uns Geld auf die Bühne, bitte setzen Sie gern die Tradition fort“, ruft er jetzt ins Publikum. „Oder sie bewarfen uns mit Dingen, mit denen wir nichts anfangen konnten: Unterwäsche, Winterreifen und so etwas.“ Und heute? „Ja, da sitzen wir Musiker in der Garderobe und reden über PSA-Werte und künstliche Darmausgänge.“ Und die Fernbedienung des Fernsehers malträtiere er so lange, bis der Nachbar klingelt, um sich zu beschweren, dass das Garagentor immer hoch- und runtergeht.

Wer sich so selbst verspottet und mit seinem Alter (73) kokettiert, der darf das auch mit Blick auf das mit ihm in die Jahre gekommenen Publikum tun, das er immer mal wieder zensiert: „Oh Gott, seid ihr schon eingenickt“? „Die linke Seite dämmert etwas. Sie auf der rechten Seite sehen einfach intelligenter aus.“ Oder gerichtet an eine einzelne Frau: „Sie schauen mich den ganzen Abend so an, ich weiß gar nicht, wo ich noch hingucken soll.“

Er erzählt die Geschichte seiner Jugend. Von der Mutter, die wie die Callas ausgesehen habe und immer die Schallplatten von Bata Illic gehört habe. „Eine Zeitlang habe ich gedacht, ich bin der Sohn von Bata Illic, aber das haut nicht hin, weil ich besser aussehe als er.“ Er erzählt von dem Vater, der Cognac brauchte, damit er mal lacht. Von dessen Tod und dass dann für ihn begann, was er „Siegen und Verlieren“ nennt – das Leben.

Ernstes wechselt sich ab mit hinreißend Komischem und wunderbarer Musik, die sich einordnen lässt zwischen Jazz, Latin, Pop und Chanson. Hoffmann ist ein großartiger Interpret der Lieder von Jacques Brel. Sein Album „Klaus Hoffmann singt Jacques Brel“ sei hier empfohlen. Von dem singt er an diesem Abend zwei Stücke: „Marieke“ und „Bitte geh nicht fort“. Das begeisterte Publikum lässt ihn und seine virtuosen Musiker an diesem Abend erst nach mehreren Zugaben und knapp zweieinhalb Stunden fortgehen.
paperpress Nr, 630-13 vom 15.10.24
Zwischenbilanz
Das Ambiente war standesgemäß. Unter den Linden 8, Staatsbibliothek zu Berlin, Wilhelm-von-Humboldt-Saal. Wo anders hätte man das (bisherige) Le-
benswerk von Klaus Hoffmann feiern können.
Es war ein Familientreffen. Viele Gesichter kannte man von seinen Konzerten. Hoffmanns Fans, würde-
voll mit ihm gealtert, kennen vermut-lich keine Lebensgeschichte so gut, wie seine, die er bei seinen
Konzerten immer wieder erzählt, so auch gestern Abend.
André Schmitz, von 2001 bis 2006 Chef der Senatskanzlei beim Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, von 2006 bis 2014 Kulturstaatssekretär,
und heute Vorsitzender der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V., versuchte sich an der Moderation des Abends, an dem Klaus Hoffmanns Buch
„Alle meine Lieder“ vorgestellt wurde. Sicherlich war Schmitz gut vorbe-reitet, Hoffmann durchkreuzte
aber immer wieder die beabsichtigte Reihenfolge, indem er in seiner Vita hin und her sprang. Ein Gespräch mit Klaus Hoffmann braucht keinen roten
Faden, viel wichtiger ist, dass er das macht, weswegen seine Fans vor allem gekommen sind, nämlich singen. Warum Schmitz zu Beginn des Abends er-
wähnen musste, dass er, Schmitz, schwul sei, erschließt sich mir nicht. Dass Klaus Hoffmann in jun-
gen Jahren ein hübscher Kerl war, wissen alle, egal welcher sexuellen Orientierung, die ihn von früher
kennen oder seine Fotos sehen. Und auch heute noch, mit 73 Jahren, ist Klaus Hoffmann ein sehr gut aussehen-der Mann, dem nicht nur weibliche
Fans, im übertragenen Sinne, zu Füßen liegen.
Es ist mehr als nur ein Buch, in dem die Texte seiner Lieder stehen. Es ist eine spannende Biografie, die seinen künstlerischen Weg als Schauspieler, Autor und Sänger mit viel Bildmaterial, von den Anfängen
bis heute beschreibt. Der Autor dieses Beitrages, der das Vergnügen hatte, mit Klaus von 1967 bis 1970 in einer Klasse die Berufsschule für Groß- und Außenhandelskaufleute in Schöneberg besucht zu haben, ist stolz, natürlich darauf, vor allem aber, dass es ihm nach Jahrzehnte langen Bemühungen gelungen ist, eine Korrektur an seiner Vita vorzunehmen; seine legendäre Reise nach Afghanistan fand nämlich nicht 1969, sondern erst nach der Berufsausbildung 1970 statt. Das musste an dieser Stelle einfach mal erwähnt werden.
Zu verdanken ist dieses wunderbare Buch vor allem Klaus Frau Malene Staeger, die im Impressum bescheiden unter „Lektorat“ aufgeführt wird, und Klaus langjähriger Assistentin Natalie Liverakos, die u.a. sein Büro am Kurfürstendamm managt.
Das Buch ist beim Westkreuz Verlag für 29,90 Euro erhältlich. Hoffmann sieht dieses Buch als Zwischenbilanz an.
Eine Abschiedstournee wie bei Vicky Leandros oder Peter Maffay steht nicht im Kalender. Zu sehen und zu hören ist er am 31. Dezember um 15:00 Uhr im Ernst-Reuter-Saal in Reinicken-
dorf.
Es geht also weiter, neue Lieder werden hinzukommen. Klaus Wunsch im Vorwort schließen wir uns
ausdrücklich an: „Möge es niemals enden."
Ed Koch
Mannheimer Morgen 04.10.2024:
Ansichten eines Philanthropen
Pop: Klaus Hoffmann mit 50. Album im Mannheimer Capitol
Von Ute Maag
Als Klaus Hoffmann zur "Tagesschau"-Zeit die Bühne des Mannheimer Capitols betritt, ist die Nachricht, der Iran habe Israel bombardiert, noch frisch. Solchem Wahnsinn kann auch er, der sich, anders als manche Kollegen seiner Generation, nie als politischer definiert hat, nicht entkommen. "Was ist los in der Welt?", fragt er also ratlos und seufzt, begleitet vom Applaus: "Wo sind eigentlich die Tyrannenmörder, wenn man sie mal braucht?"
Während der Pandemie habe er erstmals so eine Endzeitstimmung verspürt, erzählt er. Den Gedanken, aufzuhören mit dem Singen und Schreiben, hat er -zum Glück!- verworfen, stattdessen sind ihm "Flügel" gewachsen -so der Titel seines 50. Albums, mit dem der 73-jährige Chansonnier derzeit auf Tour seine Fans begeistert.
Ein Klavier, darauf ein Keyboard und eine Gitarre - mehr brauchen Hoffmann und sein langjähriger Pianist Hawo Bleich nicht, um musikalisch und gesanglich alle Register zu ziehen. Schon bei "Neuer Morgen", dem optimistischen Eröffnungssong des meuen Albums, zieht das Duo das durchweg lebenserfahrene Publikum in seinen Bann. Hits wie "Der König der Kinder" oder "Weil du nicht bist wie alle anderen", die Hoffmann unter die neuen Lieder mischt, erkennt es schon an den ersten Takten, ebenso seine deutschen Jacques-Brel-Interpretationen von "Ne me quitte pas" oder "Amsterdam".
Die neuen Melodien changieren zwischen Folk, Jazz, Pop, Blues und Chanson, die Texte sind heiter bis nachdenklich und handeln von der Liebe, vom Älterwerden und von Sehnsüchten - Resultat seiner Beobachtungsgabe und dem aufmerksamen Blick des Menschenfreundes.
Die Überleitungen gelingen dem schauspiel-erfahrenen Bühnentier und begnadeten Erzähler selbstironisch; pathosfrei und bisweilen im Stil eines Stand-up-Comedians - etwa, wenn er in Kindheits- und Jugenderinnerungen an die Nachkriegszeit schwelgt und schnoddrig genuschelt hofft, "dass das auch die Nachkriegszeit bleiben wird". Oder wenn er von Fernweh, seiner Reise Richtung Goa und Erlebnissen im Afghanistan der 70er Jahre berichtet. Oder wenn es ums Älterwerden und dessen Begleiterscheinungen geht. Auch das Publikum darf sich einiges anhören. "Kennen Sie Hannes Wader? Ja? Mein Gott, wie alt sind Sie?"
Vom mittlerweile 82jährigen Freund unterscheide ihn eines: "Ich wollte mit meinen Texten nie die Welt verbessern, ich wollte immer nur mein eigenes Lied finden", betont er.
Auch dem früh verstorbenen Vater, der krank an Körper und Seele aus dem Krieg kam, und dem Stiefvater ("der war gut zu mir") widmet er warmherzige Worte, ehe er mit dem letzten Lied, "Im nächsten Sommer sehen wir uns wieder", durch die Reihen der Zuschauer wandert.
So einfach gehen lassen die den Liedermacher jedoch nicht: Stehend erklatschen sie zwei Zugaben - und bei "Derselbe Mond über. Berlin" klappt dann auch das Mitsingen zur Zufriedenheit des Künstlers. Als die ersten schon gehen wollen,kommt er also doch nochmals auf die Bühne. "Adieu Emile" rundet diesen schwebend leichten und wunderbar sentimentalen Abend ab. Und damit geben wir ab zu den "Tagesthemen".
Main Post 30. Juli 2024
Ein fränkischer Sommernachtstraum beim Hafensommer mit einer Hommage an Würzburg
1200 Menschen genossen am Samstag "Songs an einem Sommerabend" beim Würzburger Hafensommer. Gleich zwei Preisträger hatten auf der schwimmenden Bühne ihren Auftritt.
Von Ursula Düring

Von der schwimmenden Bühne aus kündigt Kabarettist, Sänger und Musiker Matthias Brodowy, der später seine eigenen spannenden musikalischen Geschichten erzählen wird, einen fränkischen Sommernachtstraum an. Nachdem sich ein letzter Regenguss verzogen hat, strömen 1200 Menschen in den Alten Hafen, um beim Hafensommer Würzburg die legendären "Songs an einem Sommerabend" zu genießen, ein Veranstaltungsformat von Ado Schlier.
Antoine Villoutreix singt von Sternen am Himmel und einer Welt ohne Kriege
Die Feuersteins sind ein Duo aus Bochum. Mit Gitarre und Keyboard präsentieren sich Vater Guntmar und Tochter Emily, die mit "Das Spiel ist aus", einem von ihnen vertonten Gedicht von Ingeborg Bachmann, einen rhythmisch-poetisch-melodiösen musikalischen Akzent setzen.
Antoine Villoutreix, der in diesem Jahr den "Walther-von-der-Vogelweide-Preis" bekommt, hat seinen Wohnsitz von Paris nach Berlin verlegt. Begleitet von seiner Gitarre, singt der charmante Musiker auf Französisch und Deutsch von den Boulevards in Paris, vom Ende des Sommers, von den Sternen am Himmel, von einer Welt ohne Kriege.

Erdige Lieder und kompromisslose musikalische Statements hat der Liedermacher Dominik Plangger aus Südtirol mitgebracht. Seine von seiner Gitarre begleiteten Songs auf Deutsch, Italienisch und im Vinschgauer Dialekt sind kraftvoll, gesellschaftskritisch und hochpolitisch. Ihre leidenschaftlichen Klänge, ihr Geigenspiel und die Stimme seiner Frau Claudia Fenzl gehen unter die Haut.

Zu unzähligen Preisen, die Sänger, Schauspieler, Liedermacher und Autor Klaus Hoffmann schon erhalten hat, kommt an diesem Abend der "Walther-von-der- Vogelweide-Preis" für sein Lebenswerk. Er wird am Flügel von einem souverän aufspielenden Hawo Bleich begleitet. Hoffmann geht ins Publikum, augenzwinkernd, singt mit und ohne Gitarre vom Kleinbügermief, von Einsamkeit und seine besondere Version von Jacques Brels "Amsterdam".

Mit Allan Taylor kommt einer der ganz Großen der Folkmusik auf die schwimmende Bühne. Er singt von den Menschen, ihrer Liebe und ihren Problemen. Die warme, Ohren und Herzen umschmeichende Klangfarbe seiner Stimme schmiegt sich in die immer dunkler werdende Nacht.
Eine Hommage an Unterfranken und Würzburg und allerlei Nonsens bringt der Publikumsliebling des letzten Jahres mit, der Kleinkünstler Sven Garrecht: urkomisch und einfach nur amüsant.
Nicht mehr wegzudenken aus den Sommernachtssongs ist Carolin No. Mit einem Klangteppich aus Elektropianotönen, Schlagwerk und Gesang entführen das Duo Carolin und Andreas Obieglo nach Italien und rund um die Welt, bevor mit "Gute Nacht Freunde" ein atmosphärischer Abend zu Ende geht.
Billerbecker Anzeiger 23.04.2024:
Erinnerungen humorvoll vertont
Musikalische Lesung von Klaus Hoffmann zog aus einem weiten Umkreis rund 300 Besucher an
Von Elvira Meisel-Kemper
Klaus Hoffmann (73) ist für viele langjährige Fans seiner Lieder und seiner Bücher ein ewig gegenwärtiger Begriff. Deshalb war es auch kein Wunder, dass seine musikalische Lesung in der Geschwister Eichenwald-Aula über 300 Besucher mindestens aus ganz NRW anzog. Die Veranstaltung fand statt im Rahmen des Kulturprogramms der Stadt Billerbeck in Kooperation mit der Freilichtbühne.
Angelika Sattler aus Münster gehörte zu den vielen auswärtigen Fans: "Ich bin seit mindestens 45 Jahren Fan von ihm. Seine Lieder sind poetisch und durchaus rockig." Die Ära seiner engen Freunde Reinhard Mey und Hannes Wader waberte durch den Raum in der Art seines Vortrags seiner Lieder, die er mit der Gitarre begleitete. In seinen Songtexten und in seinen Büchern beleuchtete Hoffmann immer wieder die Vergangenheit, vor allem die Zeit des Schweigens der Elterngeneration nach 1945.
Hoffmann wurde 1951 in Berlin-Charlottenburg geboren. Sein Vater starb 1961. Von ihm übernahm Hoffmann die Liebe zur Musik und den Ausspruch "als wenn es gar nichts wär", der zum Titel seiner Biografie wurde, die 2012 erschien. Im Jahr 2000 erschien bereits sein Buch "Afghana" aufgrund seiner Reise 1968 als Hippie durch Iran, die Türkei und Afghanistan, die er beinahe nicht überlebt hätte. Beide Bücher hatte er mitgebracht. In einer Mischung aus Lesung und freier Erzählung plauderte er drauf los, unterbrochen nur von seinen Songs und immer länger werdendem Beifall danach.
Sein schwarz-ironischer Humor zog das Publikum zusätzlich lachend in den Bann. Bereits die erste Passage aus der Biografie offenbarte seinen ausgeprägten Hang zur Beobachtung, zum Inhalieren von Eindrücken aus seiner Kindheit und zur Ironie. "Diese ganze Kindheit steckt in mir drin wie ein Lebensmittel. Es war die Zeit wo man pünktlich war und wo man saubere Unterwäsche trug, bevor man aus dem Haus ging. Frauen waren damals die Starken, die zurückgekehrten Männer störten nur", so Hoffmann. Witze machte er auch über die Berliner und verband es mit der Frage ans Publikum: "Kennen Sie Berlin? Ach ja? Ich dachte, sie kommen hier nicht raus". Seine Eltern lernten sich nach 1945 an einem Brunnen in Berlin kennen.
Als sein ewig kranker und trauriger Vater gestorben war, fühlte er sich erstmals frei. Er fing an zu schreiben. 1968 reiste er durch den vorderen Orient mit seinem Hippie-Freund Siggi. Bei der Lesung aus dem Buch "Afghana" packte ihn die Dramatik der Erinnerungen, untermauert durch seine Körpersprache. Poetisch, voller
Mahnungen und Erinnerungen an seine ersten Lieben und seine vielen Erlebnisse waren auch seine Lieder. Als er "Blinde Katharina" intonierte, sang das ganze Publikum mit. Mechthild Blind aus Werne war eine der besonders aktiven Sängerinnen: "Ich bin seit 1979 Fan. Seine Texte stimmen mich immer wieder nachdenklich". Ohne Zugaben kam er nach stehenden Ovationen des Publikums natürlich nicht von der Bühne.